|
Am Mittwoch den 10.
November 1999 konnte man in den Badischen Neuesten Nachrichten
auf Seite 23 folgenden Artikel lesen:
Hans Seitz
hört nach 28 Jahren auf
Der ,,ruhende Pol" verlässt die Ratsbühne
Verabschiedung bei Sitzung des neugewählten Dettenheimer
Gemeinderates am Dienstag
Dettenheim
(Josh). Auch beim Abschied bleibt er sich treu. Der 65-Jährige
meidet die großen Worte, er ist ein Mann der leisen Töne. Nach
28 Jahren geht Hans Seitz' um ,,Jüngeren" (wie er selbst sagt)
Platz zu machen. Für den langgedienten Kommunalpolitiker schlägt
die letzte Stunde im Dettenheimer Gemeinderat In der ersten Sitzung
des Gremiums nach der Kommunalwahl wird Seitz verabschiedet Seitz
war bei den Wahlen nicht mehr angetreten:
,,Mir hat
es die ganzen Jahre Spaß gemacht, im Gemeinderat den Weg Dettenheims
mitzubestimmen." Als Seitz das sagt, huscht ihm ein Schmunzeln
über das Gesicht. Gewissenhaftigkeit Beharrlichkeit und Humor.
So beschreibt Seitz die Tugenden die für ihn wichtig bei der Arbeit
im Gemeinderat waren. ,,Die Dinge mit einem gewissen Abstand zu
sehen und zu beurteilen, das kam mit der Zeit", fährt der Liedolsheimer
fort. Mit 37 Jahren wurde Seitz zum ersten Mal 1971 für die Freien
Wähler in den Gemeinderat der damals noch selbstständigen. Gemeinde
Liedolsheim gewählt, ab 1975 gehörte er dann auch. dem Rat der
zusammengeschlossenen Kommunen Liedolsheim und Rußheim an. Anfang
der achtziger Jahre bewarb er sich in seiner Heimatgemeinde auch
um den Bürgermeistersessel, unterlag aber Armin Göbelbecker.
Arbeit gab
es für den Kommunalpolitiker Seitz in den vergangenen Jahrzehnten
genug. In weit mehr als 900 Rats- und Ausschusssitzungen rang
und stritt er mit seinen Ratskollegen um Lösungen. Noch gut in
Erinnerung ist Seitz der ,,Dauerbrenner" B36 West- oder B36 Ostumgehung.
,,Diese Frage hat uns Jahre beschäftigt" Und auch heute noch sieht
das ausscheidende Ratsmitglied die Anbindung Dettenheims an die
B 36 und die Weiterführung der Straßenbahn von Hochstetten über
Dettenheim nach Philippsburg als vordringliche Ziele der Gemeindepolitik.
Viel geleistet habe Dettenheim beim Bau von Schulen und Kindergärten.
,,Das sind ideale Verhältnisse."
Manchmal
gab es für Seitz im. Rat Hindernisse zu überwinden, die dort nach
seinen. Vorstellungen nichts zu suchen hatten. ,,Das leider noch
nicht abgeklungene Ortsteildenken vieler Bürger in Liedolsheim
und Rußheim wirkt sich teilweise bis in den Gemeinderat aus. Eigentlich
sollte nur sachbezogen entschieden werden." Seitz fasst sich dabei
selbst an die Nase. ,,Als sich 1975 Liedolsheim und Rußheim zusammenschlossen,
wurde von den Bürgervertretern versäumt, eine zeitliche Begrenzung
für die Ortschaftsverfassung festzulegen." Dies zu überdenken,
sei nun Aufgabe der Neugewählten.
Seitz' Weg
in der Ratsfraktion führte. zielstrebig nach oben. Die Kollegen
lernten den ,,ruhenden Pol" (Seitz über Seitz) schätzen ,,Die
Arbeit muss in aller Ruhe angegangen werden. Ein verrückt spielender
Fraktionschef kann andere nicht bremsen." Was das angeht, so hatte
er ,,seine Leute" im Griff.
Besonnen.
und unspektakulär wirkte Seitz als FWV-Praktionschef und Vorsitzender
der FWV in Dettenheim und als Bürgermeisterstellvertreter. Durchdacht
plante er auch seinen Rückzug. Lange angekündigt, eben ohne Überraschungsmoment.,,
Schon bei der Kommunalwahl vor fünf Jahren habe ich deutlich gemacht,
dass ich mit 65 aufhören werde. Ohne Wenn und Aber." Am Dienstag
verlässt Ruheständler Seitz die Ratsbühne für immer.
|