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Einen Artikel, gelesen in einer Beilage der veterenärmedizinischen
Zeitung "Fachpraxis" Nr.36 Dez. 99
der Firma Albrecht, möchten wir ihnen nicht vorenthalten:
Ein ganz
besonderes Jahr - irrtümlicherweise
Nicht 1999,
wie es den Anschein hat, endet das Jahrtausend
Schon heute
wird das Jahr 1999 falsch beurteilt. Keineswegs endet mit ihm
das zwanzigste Jahrhundert, geschweige denn das zweite Jahrtausend.
Das alte Saeculum reicht bis zum 31.Dezember 2000, das neue wird
am 1. Januar 2001 beginnen. Eine kurze mathematische Überlegung
lässt erkennen, dass alle Welt drauf und dran ist, unser turbulentes
Jahrhundert zwölf Monate zu früh zu Grabe zu tragen. Das erste
Jahrzehnt umfasste zehn und nicht neun Jahre, weshalb es Ende
Dezember des Jahres 10 ausklang und nicht schon vorher. Das erste
Jahrhundert zählte hundert und nicht neunundneunzig Jahre, weshalb
es erst am letzten Abend des Jahres 100 mit ihm vorbei war. Entsprechend
sind unserem Jahrtausend nicht nur 999 Jahre zuzubilligen, sondern
etwas mehr, was eine Verschiebung sämtlicher Abschlussfeiern rechtfertigen
würde.
Der gängige Irrtum wäre keiner wenn es im Altertum ein Jahr null
gegeben hätte. Tatsächlich aber folgt nach unserer Zeitrechung
auf das Jahr 1 vor Christus unmittelbar das Jahr 1 nach Christus.
Nach römischer Zählweise, die sogar noch Theodor Mommsen beibehalten
sollte, schloss sich dem Jahr 753 das Jahr 754 an. Damals regierte
Kaiser Augustus, der sich gerade ein stehendes Heer zulegte und
die Prätorianergarde vergrößerte. Für die meisten neuzeitlichen
Historiker ist er 63 vor Christus geboren worden und 14 nach Christus
gestorben - kurz vor dem 76. Geburtstag, wie schon seine Zeitgenossen
bemerkten. Wie in der Mathematik ist die Null, die seltsamste
aller Ziffern, auch im Kalender stets berücksichtigt worden, aber
eben mit einer entscheidenden und verwirrenden Ausnahme.
Psychologisch ist es verständlich, dass die Leute sich weigern,
die Zehnerreihe mit der Elf und die Hunderterreihe mit der Hunderteins
beginnen zu lassen. Mit der Neun hören die Zahlen auf, einstellig,
mit der Neunundneunzig, zweistellig zu sein. Wenn auf einmal am
Anfang einer vierstelligen Jahreszahl nicht mehr die eins, sondern
eine Zwei steht, springt das derart ins Auge, dass alle theoretischen
Vorbehalte verblassen. Für jeden, der schreibt, liest und sieht,
ist zwischen 1999 und 2000 die Zäsur größer als zwischen 2000
und 2001.
Wieder einmal triumphiert die Anschauung, und sei es um den Preis,
dass eine ganze Zivilisation sich ins Bockshorn jagen lässt.
Von Roswin
Finkenzeller
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