| Keine Mehrheit
für Ausbauvariante der L602 Rußheim-Huttenheim |
| Die von
der FWV- Fraktion bevorzugte Ausbauvariante der L602 zwischen
Rußheim und Huttenheim fand keine Mehrheit in der letzten
Gemeinderatssitzung. Mit 11 gegen 7 Stimmen entschieden sich
die Gemeinderäte für die Neubauvariante. Beide Trassenführungen
wurden in der 1999 abgeschlossenen Umweltverträglichkeitsprüfung
untersucht und verglichen. Dabei war die Ausbauvariante eindeutig
als die Trasse hervorgegangen, die den geringeren Eingriff
in die Natur bedeutet. Die Neubautrasse wird deshalb weit
mehr Ausgleichsmaßnahmen erfordern als die Ausbautrasse. Auch
wenn letztendlich das Land für diese Ausgleichsmaßnahmen verantwortlich
ist, wird die Gemeinde nicht um die Bereitstellung der benötigten
Flächen herumkommen. Das Hauptargument der Freien Wähler gegen
die Neubauvariante ist die Belastung beider Ortsdurchfahrten
mit dem überregionalen Verkehr von Germersheim in Richtung
Karlsruhe. Eine direkte Anbindung der L602 an die B35 bei
Huttenheim wird nach unserer Meinung diesen überregionalen
Verkehr in weit stärkerem Maß anziehen, als die bisherige
Route durch das Industriegebiet Huttenheim. Dass man diesen
Verkehr in absehbarer Zukunft durch eine Ortsumgehung wieder
los wird, halten wir für eine schöne, aber realitätsferne
Vision. Angesichts leerer Kassen und vieler aufgeschobener
Straßenbauprojekte ist an eine solche Lösung in absehbarer
Zeit nicht zu denken, zumal das geschätzte Verkehrsaufkommen
unter der für Umgehungsstraßen notwendigen Zahl liegt. Konsequenterweise
haben die meisten FWV- Gemeinderäte auch die Erstellung einer
Planungsstudie für eine Weiterführung der Trasse zum Gewerbegebiet
Rußheim zum jetzigen Zeitpunkt abgelehnt. Wohlgemerkt, nicht
weil wir eine Ortsumgehung ablehnen, sondern weil wir sie
in den nächsten Jahren nicht für realisierbar halten. Nun
ist das Straßenbauamt am Zug, das letztendlich über die Variante
entscheidet, die in das Planfeststellungsverfahren eingebracht
wird. Wir sind gespannt, wie sich die Stellungnahme der Gemeinde
hier auswirken wird. |
Der
Artikel der CDU im letzten Amtsblatt veranlasst uns zu folgender
Richtigstellung |
| L602 Rußheim-Huttenheim:
Lehrstunde in Sachen Demokratie? |
Die Gemeinderäte
der Freien Wähler hatten bisher noch keine Probleme Mehrheitsentscheidungen
zu akzeptieren, auch wenn diese der eigenen, fundiert erarbeiteten
Überzeugung entgegenstehen. Dies gilt auch für das Votum,
mit dem sich der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung für
die Neubautrasse der L602 ausgesprochen hat. Ein Nachkarten
nach solchen Entscheidungen ist im allgemeinen nicht unser
Stil. Der Artikel der CDU im letzten Amtsblatt veranlasst
uns aber dennoch zu folgender Richtigstellung: · Richtig ist,
dass die Neubauvariante um ungefähr einen Kilometer kürzer
ist (exakt 860m). · Alle anderen Zahlenangaben in dem Artikel
sind entweder falsch oder beruhen auf unvollständigen Berechnungen.
Vermutlich wird nicht berücksichtigt, dass bei einem Neubau
nur ein relativ kleiner Teil der jetzigen L602 zurückgebaut
werden kann. Die Zufahrt von Huttenheim zum Philipp-Ruff-See
und zum Kieswerk Pfander würde bestehen bleiben, ebenso der
jetzige Rad- und Wirtschaftsweg. Deren Flächen müssen natürlich
in den Vergleich eingearbeitet werden. · Nach unserem Kenntnisstand
ergeben sich für die bituminös befestigten Flächen dann die
folgenden Werte (m2):
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| |
Ausbau |
Neubau |
| Fahrbahnfläche
(neu plus verbleibend) |
26.500 |
25.920 |
| abz.
Integration bestehender Flächen |
(-)
17.640 |
(-)
5.380 |
| abz.
Rückbau bestehender Flächen |
(-)
3.620 |
(-)
7.840 |
| Fahrbahn
Netto-Neuversiegelung |
5.240 |
12.700 |
| |
|
|
| bestehende
Wege |
5.240 |
5.710 |
| plus
Mehrbedarf an Wegen |
8.310 |
1.630 |
| abz.
Wegerückbau |
(-)
810 |
(-)
720 |
| Wege
Netto-Neuversiegelung |
7.500 |
910 |
| Neuversiegelung
insgesamt |
12.740 |
13.610 |
| |
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Kostenschätzung (DM) |
9.020.000 |
8.940.000 |
Trotz
der größeren Länge der Ausbauvariante ergibt sich also für die
Neubauvariante eine mehr als doppelt so hohe Fahrbahn-Neuversiegelung.
Auch wenn man das Wegenetz einbezieht, schneidet die Ausbauvariante
noch besser ab. Bei den Kosten ergibt sich so gut wie kein Unterschied.
Hier sollte man noch berücksichtigen, dass Radfahrer, PKW- und
LKW- Verkehr beim Neubau zwischen Kieswerk Pfander und Huttenheim
die selbe Trasse benutzen müssen, während bei der Ausbauvariante
ein eigener Radweg einschließlich des notwendigen Brückenanbaus
über die B35 gebaut würde. Und was das Interesse der Umwelt angeht,
hier liegt das Ergebnis einer Umweltverträglichkeitsstudie vor.
Bei der Abwägung sind deren Aussagen eindeutig: die Ausbautrasse
ist mit weitem Abstand die naturverträglichere Lösung. Dass in
der "Gegenüberstellung der wesentlichen Argumente" für die Ratsvertreter
(der Schreiber meint vermutlich die Sitzungsvorlage) die Argumente
für die Ausbautrasse nicht überbewertet werden, wird keinen realistisch
denkenden Gemeinderat wundern. Diese unvollständige und objektiv
falsche Argumentation noch weiter zu betonen und gar zur "Lehrstunde
der Demokratie" zu verklären überschreitet aber eindeutig die
Schmerzgrenze!
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