Aus Anlass ihres 50-jährigen Jubiläums veranstalteten die Freien Wähler Weingarten am Sonntag, den 11.März 2001, eine Fest-Matinee, bei der auch eine Abordnung der Dettenheimer Freien Wähler zu Gast war. Auf dem Programm standen Grußworte, eine Ehrung, eine kleine Chronologie des Werdegangs des Ortsverbandes und die Festrede des Landesvorsitzenden der Freien Wähler Baden- Württemberg Heinz Kälberer.
Unsere Mitglieder im Gespräch mit Bürgermeister aus Nachbargemeinden
Umrahmt wurde die Veranstaltung durch die Aufführung verschiedener Musikstücke.
Inhaltlicher Höhepunkt war sicher die Rede von Herrn Kälberer zum Thema:
"Die Freien Wähler und ihre Verantwortung in der Kommunalpolitik".
 

Als Oberbürgermeister von Vaihingen-Enz schon lange Jahre an der Front des kommunalpolitischen Geschehens, kann Kälberer auf einen reichen Schatz von Erfahrungen zurückgreifen. Er erinnerte an die Zeit nach Kriegsende und Wiederaufbau, in der die Freien Wählervereinigungen entstanden. Praktische Sachprobleme wie Arbeitsbeschaffung und Eingliederung von Flüchtlingen waren damals zu lösen. Probleme von wirklich existentieller Bedeutung, neben denen vieles, was wir heute oft zum Problem machen, als Produkt einer überzogenen Anspruchshaltung erscheint.
Anhand von Beispielen zeigte Kälberer auf, dass manche Forderung nur das Ergebnis eines zunehmenden Egoismus ist. In der kommunalen Praxis kommt es jedoch auf die vernünftige Entscheidung im Sinne der Allgemeinheit an. Ideologien sind Fehl am Platz. Am Beispiel eines Blockheizkraftwerks in seiner Stadt zeigte er, dass das was an der einen Stelle richtig war, an einer anderen falsch sein kann. Die Stärke der Freien Wähler in solchen Fragen ist es, die beste sachliche Lösung zu unterstützen ohne auf landes- oder bundespolitische Programme Rücksicht nehmen zu müssen. Bei Kommunalwahlen werden, außer in großen Städten, die Persönlichkeiten gewählt. Die politische Gruppierung denen sie angehören kommt erst an nachgeordneter Stelle. Der Bürger erwartet dann aber auch, dass vor allem die Sachfragen im Interesse der Allgemeinheit gelöst werden. Hierin liegen die Stärken der Freien Wähler.
Einen Appell richtete Kälberer an alle politisch Handelnden. Sie sollten sich zur Aufgabe machen, die Menschen für eine Sache zu gewinnen, indem sie deren positive Aspekte deutlich machen. Dies erfordert aber auch eine offene und frühzeitige Information der Bürger, um sie an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Dass die daraus resultierenden konstruktiven Anregungen der Bürger eine Kommunalverwaltung auch aus dem Konzept bringen kann, belegte ein weiteres Beispiel aus der Amtspraxis des OB. In solchen Fällen sind die kommunalen Mandatsträger gefordert, dem sachlich besseren Vorschlag auch gegen den Widerstand einer Verwaltung zum Durchbruch zu verhelfen.
Mit Blick auf die anwesenden Vertreter politischer Parteien bekräftigte Kälberer die Forderung der Freien Wähler, Kommunal- und Europaratswahlen getrennt durchzuführen. Die Bedeutung der Kommunalwahlen ist eindeutig zu groß, um sie als Vehikel dafür zu nutzen, dass man die Wähler an die Europa-Urnen bringt. Hier müssen sich die Europapolitiker etwas besseres einfallen lassen.
Die Festrede von Herrn Kälberer war sehr engagiert und beachtenswert. Es ist zu wünschen, dass seine Anregungen bei allen Kommunalpolitiker Beachtung finden, egal ob sie den Freien Wählern oder einer Partei angehören. Die Freien Wähler Dettenheim werden ihr 50- jähriges Bestehen im Jahr 2003 feiern können.