FWV- Fraktion im Gemeinderat Dettenheim
Haushaltsrede für den Haushaltsplan 2002

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, liebe Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats, sehr geehrte Mitbürger,
noch rechtzeitig mit der letzten Sitzung des Gemeinderats in diesem Jahr liegt uns der Haushaltsplan 2002 vor, den wir nach den vorangegangenen Beratungen und Diskussionen heute verabschieden wollen. Wir rechnen hier zum ersten mal in der neuen Währung EURO, was die absoluten Zahlenwerte für die Ausgaben und Einnahmen in etwa halbiert. Ich hoffe, wir haben aber gerade bei den Ausgaben trotzdem nicht das Gespür für das Realisierbare verloren.
Der Gesamtansatz hat sich mit 13,2 Mio. € um 1% gegenüber 2001 verringert. Allerdings steigt der Anteil des Verwaltungshaushalts um 413.000 € an, das sind gute 4%.

Bemerkungen zum Verwaltungshaushalt
Wo kommen diese Mehreinnahmen her? Wir erwarten höhere Steuereinnahmen und Finanzzuweisungen und wir erwarten höhere Einnahmen aus Verwaltung und Betrieb. Ich denke, angesichts der sich abzeichnenden Probleme unserer Wirtschaft ist hier Vorsicht angebracht. Ich möchte nur die Gewerbesteuer nennen, die wir mit ca. 400.000 € veranschlagen, obwohl wir nach der vorliegenden Rechnung im Jahr 2000 nur 316.000 € eingenommen haben. Unsere Einnahmen aus der Gewerbesteuer liegen damit bereits um 20-30% unter denen aus der Grundsteuer. Ich kann nur hoffen, dass sich unsere Anstrengungen bei der Gewerbeansiedlung auch bald in dieser Richtung bemerkbar machen. Insgesamt ist aber unsere Einnahmeschätzung sicher eher optimistisch als pessimistisch.
Wofür haben wir dieses Geld verplant? Einen großen Posten stellen wieder die Personalausgaben dar. Die Steigerung um 1% gegenüber 2001 ist moderat. Allerdings ist zu bemerken, dass wir Änderungen im Stellenplan vorgenommen haben. Die Gesamtzahl der Stellen hat sich nicht verändert, wir haben aber zu Lasten freier Stellen für das Bauamt und das Hauptamt Beamtenstellen im gehobenen Dienst neu eingerichtet. Es ist davon auszugehen, dass dies zu Personalkostensteigerungen in der Zukunft führt. Die Freien Wähler sind an einer gut funktionierenden Verwaltung interessiert und tragen deshalb diese Entscheidung mit. Und jetzt zitiere ich einen Satz aus meiner letztjährigen Haushaltsrede: Damit verbinden wir aber die Erwartung an den Verwaltungschef, seine Vorstellungen über die zukünftige Organisationsstruktur baldmöglichst in die Diskussion mit dem Gemeinderat einzubringen. Eine solche mittelfristige Planung ist für uns Voraussetzung (Zitat Ende) für die Stellenbesetzung.
Ein weiterer großer Posten ist der sächliche Verwaltungs- und Betriebsaufwand. Neben schwer beeinflussbaren Kosten wie Feuerschutz, Schulen, Kindergärten usw. spielt hier der Betrieb und die Bauunterhaltung unserer Infrastruktur eine Rolle. Hier werden zunehmend Finanzmittel gebunden, vor allem auch im Vermögenshaushalt.
Erfreulich ist es, dass die Zuführung zum Vermögenshaushalt mit 460.000 € gegenüber 2001 sogar ansteigt. Die Nettoinvestitionsrate, also das was wir ohne Schulden zu machen investieren könnten, liegt bei ungefähr bei 400.000 €.

Bemerkungen zum Vermögenshaushalt
Dieser sieht nun Ausgaben in Höhe von 3,1 Mio. € vor. Aus den Rücklagen können wir noch 0,5 Mio. € entnehmen, 1,2 Mio.€ kommen aus Vermögensveräußerungen, Beiträgen und Zuschüssen. Es wird eine Kreditaufnahme von fast 1 Mio. € erforderlich, ca. 1/3 des Vermögenshaushalts 2001 wird also kreditfinanziert. 60 % der Mittel sind für Baumaßnahmen veranschlagt. Wieder sind vor allem große Sanierungsmaßnahmen hierfür verantwortlich.
Das Hallenbad schlägt nochmals mit 415.000 € zu Buche und wird uns in der Summe 1,5 Mio. € gekostet haben. Wir hoffen, dass dies aber das Ende der Kostenspirale darstellt und wir nach der Wiederinbetriebnahme im Spätjahr ein für viele Jahre brauchbares Bad erhalten. Die Dachsanierungen an der Tullaschule liegt gerade hinter uns. In der Pestalozzischule sanieren wir im Rahmen des Verwaltungshaushalts weitere Fenster, was sicher eine sehr sinnvolle Maßnahme zur weiteren Energieeinsparung darstellt. Hier zeichnet sich aber bereits für die nächsten Jahre weiterer Geldbedarf ab, nämlich die Erneuerung des veralteten Heizungssystems.
Auch die Kläranlage erfordert einen sanierungsbedingten Investitionskostenzuschuss von über 100.000 €. Für die kommenden Jahre sind hier weitere Kosten angekündigt. Beim der Feuerschutz kommen wir mit 140.000 € fast wieder an die Vorjahresinvestitionen, wobei dieses Jahr ein Kommandowagen als Ersatz für altersschwache MTW beschafft werden soll. Hier muss unbedingt darauf geachtet werden, dass wir einen evtl. möglichen Zuschuss auch in Anspruch nehmen können.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich eine Neuinvestition: die Skater- und Bolzplätze in beiden Ortsteilen. Hier sind in den Jahren 2001-2003 insgesamt 243.000 € vorgesehen. Dieser Betrag hätte die von uns gewünschte zentrale Anlage mit Sicherheit gerechtfertigt. Beim Anblick der Gesamtsumme kommen mir hier wirklich wieder Bedenken und ich möchte die Verwaltung auffordern, sich bei der Umsetzung auf das zu beschränken, was notwendig ist und von den Jugendlichen auch angenommen wird. Ich bin überzeugt, dass man das für weniger als eine halbe Million DM machen kann.
Ein weiterer Posten, der mich erschreckt hat, sind die Ausgaben für die EDV-Ausstattung der Verwaltung. Nimmt man Grundbuchamt, Bauamt und allgemeine Verwaltung zusammen, so summiert sich der Bedarf auf 170.000 €. Auch hier muss in der Umsetzung noch einmal genau hingeschaut werden.
Darüber hinaus gibt es noch weitere Positionen, bei denen ein genaues Hinsehen erforderlich ist,. So scheinen wir auf dem Weg zu sein, unsere Außenbereiche mit Straßenlampen zu möblieren. Hier wird unsere Fraktion darauf drängen, jedes Vorhaben vor der Umsetzung kritisch auf negative Folgen im Vergleich zum Nutzen zu prüfen.
Auf die Erschließung von Baugebieten habe ich im letzten Jahr bereits hingewiesen. Das Gebiet Haupt- Dettenheimerstraße ist nach Verzögerungen endlich abgearbeitet. Das Baugebiet Billäcker ist aber hinsichtlich seiner endgültigen Gestaltung und Verkehrsanbindung nicht weitergekommen. Auch im Baugebiet Nord-West sind wir bei der Umlegung nicht wesentlich weiter.
Wir müssen uns deshalb fragen, wieviel von unseren Vorhaben wir auch in der Lage sind umzusetzen. Natürlich gibt es immer Eventualpositionen im Haushalt. So z.B. die Sanierung im OT Rußheim, für die wir eigentlich 2002 kaum mit einem Erfolg unseres Antrags rechnen können. Solche Posten aufzunehmen ist konsequent. Wenn aber zu viele nicht umsetzbare Maßnahmen vorgesehen sind, wird die ganze Planung fragwürdig.

Damit möchte ich zusammenfassen
Wir geben 2002, wenn wir die Planung umsetzen können, mehr aus als wir einnehmen und angespart haben. Wir gehen mit einem Gesamtschuldenstand (Gemeinde + Wasserwerk) von 1,3 Mio. € oder knapp 200 € pro Einwohner ins neue Jahr. Am Ende der Haushaltsperiode liegen wir bei 2,3 Mio. € oder 340 € pro Einwohner. Für die weiteren Jahre stehen weitere Großinvestitionen ins Haus. Wir werden diese nur realisieren können, wenn wir tatsächlich in der Lage sind, Baugebiete zu erschließen und zu verkaufen. Wir sind also hier im Zugzwang und wir müssen uns darüber auch im Klaren sein, dass wir damit ans "Tafelsilber" unserer Gemeinde gehen.

Am Ende meiner Ausführungen möchte ich der Verwaltung, insbesondere dem Rechnungsamt für die gute Vorbereitung der Haushaltsberatungen danken. Es ist das letzte mal, dass Herr Zimmermann hierfür die Verantwortung trägt. Wir danken ihm für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit und wünschen uns, dass sich diese mit seinem Nachfolger genau so gut entwickeln wird.


Dr. Rainer Oberacker Manfred Werner
Mitglieder der FWV-Fraktion im Verwaltungs-, Finanz- und Personalausschuss