Fraktion der Freien Wähler im Gemeinderat Dettenheim
Haushaltsrede zur Beschlussfassung für den Haushaltsplan 2003


Sehr geehrter Herr Bürgermeister, Sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, liebe Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats, sehr geehrte Mitbürger,

  Dr. Oberacker

wir beschließen heute über die Finanzplanung des nächsten Jahres. Vorausgegangen ist die kürzlich vorgelegte Jahresrechnung für das Jahr 2001, die man als aus-gesprochen positiv beurteilen kann, da wir bei Gesamtausgaben von knapp 10 Mio. € im Verwaltungshaushalt eine Investitionsrate von über 1 Mio. € erwirtschaften konnten und keine Kreditaufnahme tätigen mussten.
Die Situation hat sich aber inzwischen grundlegend geändert. Schon für das laufende Jahr mussten wir einen Nachtragshaushalt beschließen. Grund waren drastisch gesunkene Einnahmen aufgrund geringerer Steuereingänge. Auf diese Gefahr habe ich in meiner letztjährigen Haushaltsrede bereits hingewiesen. Voraussichtlich wer-den wir das laufende Jahr mit einer Investitionsrate von 240.000 € und einer Kredit-aufnahme von 660.000 € abschließen, wobei wir aber selbst im Bereich von Unter-haltungsmaßnahmen noch den Rotstift angsetzen mussten.
Die letzte Hiobsbotschaft erreichte uns mit den Steuerschätzungen vom November, gerade rechtzeitig vor Beginn unserer Haushaltsberatungen. Die Ausfälle übertrafen noch unsere Befürchtungen und wir haben heute einen Haushaltsentwurf vorliegen, bei dem wir den Verwaltungshaushalt, also die laufenden Kosten, mit 210.000 € aus dem Vermögenshaushalt ausgleichen.
Diese Negativzuführung stellt eine traurige Rekordmarke in den bisherigen Gemein-dehaushalten dar. Sie ergibt sich trotz erheblicher Reduzierungen von Ausgabewün-schen in den Vorberatungen. Ich kann hier nicht auf alle Punkte unserer Diskussion eingehen, sondern beschränke mich auf einige Dinge, die aus Sicht der Freien Wäh-ler erwähnenswert sind.

Einnahmen des Verwaltungshaushalts
An den Einnahmen können wir nur begrenzt etwas tun. Hier macht uns die Gewer-besteuer zunehmend Sorge. In diesem Jahr ist sie auf 160.000 € eingebrochen, also auf 40% vom Erwartungswert und wir können nur hoffen, dass die geschätzten 300.000 € für 2003 realistischer sind. Die Grundsteuer bringt mit 660.000 € schon doppelt so viel ein, wie die Gewerbesteuer. An den Hebesätzen für diese Steuern sollten wir derzeit sicher nicht drehen, da wir uns jetzt bereits auf einem relativ hohen Niveau befinden. Immerhin liegt der Steueranteil mit 3,1 Mio. € sogar noch geringfü-gig über dem von 2002.
Das Problem liegt bei den Zuweisungen und dort insbesondere dem Finanzaus-gleich, wo uns gegenüber 2002 fast 300.000 € fehlen. Bei den Einnahmen aus Ver-waltung und Betrieb, zu denen auch die Gebühren gehören, erreichen wir das dies-jährige Niveau. Die Gebühren sind sicher eine Erwähnung wert. Wir haben Bereiche, in denen eine volle Kostendeckung erzielt werden muss wie Müllabfuhr, Abwasser und Wasser. Hier vertritt unsere Fraktion die Linie einer möglichst zeitnahen Gebüh-renanpassung. Wer die Kosten verursacht, soll sie auch tragen, der Gebührenzahler sollte nicht für Altlasten oder stille Zukunftsreserven herangezogen werden. Dies führt bei Wasser und Müllabfuhr zu Gebührenerhöhungen, beim Abwasser zu einer deutlichen Gebührensenkung für 2003. Insgesamt wird der durchschnittliche Verbraucher eher entlastet. Anders stellt sich für uns die Situation dar bei den Be-stattungsgebühren. Hier haben wir erst zum 1.8.2002 eine völlig neue Gebührensat-zung aufgestellt. Bevor wir hier eine Anpassung prüfen, wollen wir die Auswirkung dieser Gebührenstruktur in der Praxis abwarten. Ein Kostendeckungsgrad von 40% erscheint uns für diesen Bereich durchaus gerechtfertigt, da unsere Friedhöfe weit-aus mehr Funktionen erfüllen, als reine Begräbnisplätze. Sie liegt auch im Bereich der Gemeinden vergleichbarer Größe.
Beim Eintritt für des mit großem Aufwand renovierte Hallenbad wurden Gebühren angepasst und auch bei anderen Gebühren kostenrechnender Einrichtungen wird man sich mittelfristig mit einer Anpassung befassen müssen.

Ausgaben des Verwaltungshaushalts
In der Summe sinkende Einnahmen erfordern auch sinkende Ausgaben. Und hier befürchten wir trotz Streichungen mittelfristig gesehen ein Problem. Die Personal-ausgaben steigen von 1,7 Mio. auf 1,9 Mio. €. Dieser deutliche Sprung ist nur teil-weise die Folge von Stellenwiederbesetzungen, welche längst überfällig sind. Zusätzlich weiten wir aber den Stellenplan aus, um den Service für unsere Bürger zu verbessern, Stichwort "Bürgerbüro". Die zukünftige Organisationsstruktur, mit der die Verbesserung herbeigeführt werden soll, ist leider über das Stadium eines Vorent-wurfs noch nicht hinausgekommen. Wir erwarten deshalb den Abschluss dieser Pla-nung vor dem Antrag auf Neueinstellungen.
Ein weiterer großer Posten ist der sächliche Verwaltungs- und Betriebsaufwand. Hier waren Kürzungen, z.B. im Bereich Feuerschutz, unausweichlich. Ach bei den Schu-len konnten nicht alle Wünsche erfüllt werden. Wir gehen aber davon aus, dass mit den zur Verfügung gestellten Mitteln ein vernünftiges Arbeiten noch möglich ist.
Angesichts des Zuschussbedarfs sind auch die Kindergärten sicher eine genau zu prüfendes Ausgabengebiet. Wir sollten uns hier aber bewusst sein, welche Rolle die Kinder bei unserer kopfstehenden Alterpyramide spielen. Und da die Kleinkinder-betreuung eine öffentliche Aufgabe ist, sollten wir die Leistung anerkennen, die un-sere Kindergartenträger durch eigene Mittel und ehrenamtliche Verwaltungstätigkeit in diesen Bereich einbringen.
Der Bereich der Vereinsförderung bleibt auf einem hohen Niveau, insbesondere wenn man die Investitionszuschüsse mit berücksichtigt. Angesichts der klammen Kassen mag das erstaunen, aber in einem dörflichen Umfeld wie bei uns sind die Vereine sehr wichtige und insgesamt doch kostengünstiger Garanten für kulturelle und sportliche Freizeitgestaltung und damit für die Lebensqualität.

Bemerkungen zum Vermögenshaushalt
Der Vermögenshaushalt erreicht mit 6,2 Mio. € ein sehr hohes Niveau. Hier wirkt sich zum einen die Abrechnung für die Querspange aus, die bisher außerhalb des Haus-halts erfolgte und die uns in der Summe mit ca. 800.000 € belastet. Investitionen in den Feuerschutz erfordern 290.000 €, an den beiden Schulen 170.000 €, beim Klär-werk 250.000 €.
An Zukunftsaufgaben steht der Beginn der Ortskernsanierung in Rußheim bevor, sofern wir nicht angesichts des engen Landeshaushalts noch ein weiteres Jahr bis zur Aufnahme in das Programm warten müssen. Investitionen in die Ortskerne ha-ben für die Fraktion der Freien Wähler hohe Priorität. Wir müssen hier Anreize für private Investitionen junger Familien schaffen, um die zunehmende Überalterung der Bevölkerung in diesen Gebieten aufzuhalten. Deshalb ist es für uns auch wichtig, dass in Zentrum von Liedolsheim Aufwertungen vorgenommen werden. Wir haben hier als alte Forderung den Bereich der Einmündung Dettenheimerstraße-Hauptstrasse wieder eingebracht, für den 2003 zumindest in die Planung eingestie-gen werden soll.
Die in den letzten Jahren immer wieder verschobene Erschließung des Neubauge-biets "Billäcker" wird ebenfalls Aufwendungen erfordern die aber letztlich zu deutli-chen Überschüssen aus den Grundstücksverkäufen führen sollten. Allerdings ist auch zum Ende des Jahres 2002 noch nicht konkret erkennbar, wo die Reise hingeht und ob im nächsten Jahr eine Erschließung begonnen werden kann. Wir fordern die Verwaltung dringend auf, dieses Gebiet weiter als Verfügungsmasse für neue Ideen zu betrachten. Es gibt einen rechtskräftigen Bebauungsplan, den wir nicht um 180° verändern wollen.
Die Realisierung einer neuen Sporthalle in Rußheim in 2003 ist angesichts der Fi-nanzlage schlicht und einfach nicht machbar. Hier sollte man ernsthaft über Alterna-tivkonzepte nachdenken, um zumindest mittelfristig eine Verbesserung zu schaffen. Dies sollte auch die späteren Betriebskosten mit einschließen, ein Faktor, an dem wir auch an anderen Gemeindeeinrichtungen arbeiten müssen.

Ausblick
Die Haushaltsplanung 2003 steht im Zeichen zurückgehender kommunaler Einnah-men. Die Negativzuführung zeigt, dass wir dem noch zu wenig Rechnung getragen haben. Es ist kaum zu erwarten, dass die Einnahmen im nächsten Jahr besser wer-den. Spätestens dann werden wir uns aber keine Negativzuführung mehr erlauben können und die dann erforderliche Kürzung von Ausgaben im Verwaltungshaushalt wird sicher eine schmerzhafte Angelegenheit.
Nachdem wir 2001 mit Gesamtschulden von 195 € pro Kopf für Gemeinde und Was-serwerk abgeschlossen haben, klettert dieser Betrag auf 277 bzw. 530 € pro Kopf in 2002 bzw. 2003. Mit diesem Betrag kommen wir in einen Bereich, der kaum noch ausgedehnt werden kann, wenn unsere Finanzkraft nicht steigt. Es sei denn, wir le-ben bewusst auf Kosten der folgenden Generation.
Am Ende möchte ich der Verwaltung, insbesondere dem Rechnungsamt für die gute Vorbereitung der Haushaltsberatungen danken. Einen Wermutstropfen muss ich al-lerdings hier vergießen. Eine Verabschiedung des Hiebs- und Kulturplans wird es ohne die Anwesenheit des verantwortlichen Forstpersonals nur noch ohne unsere Stimmen geben. Die persönlich Stellungnahme der Verantwortlichen gegenüber dem Gemeinderat ist für uns kein alter Zopf sondern gutes demokratisches Recht, insbe-sondere bei Einrichtungen mit einem Zuschussbedarf wie der Forst ihn aufweist.

Dr. Rainer Oberacker Manfred Werner
Mitglieder der FWV-Fraktion im Verwaltungs-, Finanz- und Personalausschuss


 

Haushaltsrede für den Haushaltsplan 2002
Informationsveranstaltung (pdf 2,2MB) am Donnerstag, den 16. Mai 2002 in der Alten Brauerei.
Infoheft zur Veranstaltung am 5.04.2001 im pdf - Format: fwv - info - aktuell April 2001
     
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