|
"Ja..... aber ......" der
Freien Wähler zum Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans
"Baugebiet am Erikaweg"
Etwas schwer taten sich die Gemeinderäte der Freien Wähler
am Dienstag vor einer Woche mit der Zustimmung zum Aufstellungsbeschluss
"Baugebiet am Erikaweg". Dieser Bereich war bisher Bestandteil
des rechtskräftigen Bebauungsplans "Billäcker",
welcher noch keine 15 Jahre alt ist. Da die Bebauung aber in weiterer
Zukunft auch über den Erikaweg hinaus ausgedehnt werden soll,
beschloss der Gemeinderat bereits 1999 den Plan zu ändern,
um eine sinnvolle Verkehrsanbindung zu ermöglichen.
Warum vier Jahre vergehen mussten um diese Absicht umzusetzen
zeigte sich an dem neuen Entwurf, der seit zwei Wochen nun vorliegt.
Die Planer haben sich nicht auf die Verkehrsanbindung beschränkt,
sondern eine völlige Umplanung vorgenommen. Das Baugebiet
wurde nach Nordwesten erweitert, die Grundstückszuschnitte
vollständig geändert hin zu kleineren (nachfragegerechteren)
Parzellen. Außerdem wurden starke ökologische Komponenten
eingebracht. So soll eine Regenwasserbewirtschaftung mit Zisternen,
Versickerungsmulden und Ableitung in bestehende Gräben geschaffen
werden. Von den 3,7ha sollen fast 30% als öffentliche Grünfläche
entstehen.
Städtebaulich ein recht gelungener Planentwurf, was der Fraktionsvorsitzende
Rainer Oberacker in seinen Ausführungen auch anerkannte.
Allerdings mit einem Sack voll offener Fragen. So sind technische
und wasserrechtliche Details der Regenwasserbewirtschaftung weitgehend
ungeklärt, ebenso liegt keine Bilanzierung der Herstellungs-
und Unterhaltskosten vor.
Ohne diese Rechnungen ist es natürlich einfach, visionäre
Traumvorstellungen zu entwickeln. Letztendlich müssen aber
die Bauvorhaben für die zukünftigen Bauherren finanzierbar
bleiben und auch für die Kommune muss ein vertretbarer Gegenwert
abfallen. Immerhin veräußert sie mit dem Baugelände
einen wichtigen Teil des gemeindeeigenen "Tafelsilbers".
Und deshalb wäre es den Freien Wählern lieber gewesen,
einen Aufstellungsbeschluss erst nach Vorliegen der kostenmäßigen
Folgen zu fassen. Im Verlauf der Diskussion wurde aber von Seiten
der Verwaltung zugesichert, dass der vorliegende Planentwurf im
weiteren Verfahren an alle Kostenszenarien angepasst werden könne
und dass man für Wünsche und Anregungen der Bauwilligen
offen sei. Da seit dem Änderungsbeschluss ohnehin schon zu
viel Zeit vergangen ist, stellten die Freien Wähler ihre
Bedenken zurück und stimmten dem Aufstellungsbeschluss zu,
um nicht weitere Verzögerungen zu provozieren.
Wir werden die angemahnten Planungsdetails aber einfordern, bevor
wir irgendwelchen Festsetzungen im Bebauungsplan zustimmen. Und
nach vier Jahren Planungsdauer kann dabei auch das Zeitargument
keine unüberwindbare Rolle mehr spielen. Es liegt letztendlich
in der Verantwortung des Gemeinderats darauf zu achten, dass die
Planung eines Neubaugebiets in sinnvollen und aus Kostengesichtspunkten
für Kommune und Bauwillige realisierbaren Lösungen mündet.
Einer Überregulierung, wie sie in einzelnen Festsetzungen
des Entwurfs erkennbar ist, erteilen wir heute schon eine Absage.
Es geht an der städtebaulichen Praxis vorbei, wenn glaubt,
die Anzahl der Kletterpflanzen je Meter Fassadenlänge regeln
zu können. Interessenten seien auf die vorgezogene Bürgerbeteiligung
vom 2. bis 20. Juni hingewiesen, wo der Entwurf im Rathaus aufliegt
und Äußerungen und Erörterungen zur Planung möglich
sind.
|