Fraktion der Freien Wähler im Gemeinderat Dettenheim
Haushaltsrede
zur Beschlussfassung für den Haushaltsplan 2004

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, liebe Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats, sehr geehrte Mitbürger,
die Vorberatung unseres Gemeindehaushaltes für das nächste Jahr war alles andere als erfreulich. Zwar hat die kürzlich vorgelegte Jahresrechnung für 2002 mit einer (positiven) Zuführungsrate zum Vermögenshaushalt von 540 T€ und 0 € Kreditaufnahme unsere Finanzsituation für diese vergangene Zeit noch etwas besser erscheinen lassen als zunächst befürchtet. Für das laufende und das kommende Jahr sind aber nun dramatische Verschlechterungen absehbar.
Der Gemeinderat und seine Ausschüsse haben sich bemüht, den Rückgang der Einnahmen unserer Gemeinde durch eine Rückführung von Ausgabenposten und Gebührenerhöhungen aufzufangen. Dabei hat sich allerdings gezeigt, dass die Manövriermasse im Verwaltungshaushalt ziemlich begrenzt ist. Da die von den Kürzungen betroffenen Stellen das Geld auch in der Vergangenheit in aller Regel sparsam und vernünftig eingesetzt haben, bedeutet jede Kürzung eine Verschlechterung der Standards für die betroffenen Bürger. Es sind hier auch solche Bereiche nicht ausgespart worden, die für uns immer eine hohe Priorität hatten und auch haben. Nennen möchte ich die Schulen, die beim Pauschalzuschuss Kürzungen hinnehmen mussten und die Feuerwehr. Es ist hier sicher nur ein kleines Trostpflaster, wenn der Feuerwehr bei der Umsetzung der Kürzung mehr Eigenverantwortung eingeräumt wird, oder wenn für die Pestalozzischule im Vermögenshaushalt die gewünschten Minimalmittel für die Wiedereinzäunung des Sportplatzes bereitgestellt werden. Leider sind wir auch nicht umhin gekommen, die Vereinsförderung zu reduzieren, zumindest was die Investitionsförderung angeht.
Ich fürchte allerdings, dass sich die Betroffenen mittelfristig noch auf deutlich ungünstigere Verhältnisse einstellen müssen. 210.000 € Negativzuführung im Verwaltungshaushalt im laufenden und 240.000 € im kommenden Jahr hängen als Damoklesschwert über unseren Haushaltplänen. Wenn das so umgesetzt wird, finanzieren wir einen Teil unserer laufenden Ausgaben aus Kreditaufnahmen. Das mag ja noch angehen für unerwartete Änderungen auf unserer Einnahmeseite, wie sie im letzten und teilweise in diesem Jahr eintraten, in einer gewissen Hoffnung auf bessere Ze-ten. Aber heute muss uns klar sein, dass die Kommunen in den nächsten Jahren nicht auf eine wirkliche Besserung ihrer Situation rechnen können. Zahlen, wie sie jetzt in der mittelfristigen Finanzplanung stehen mit Negativzuführungen von über ½ Mio. € sind so nicht tragbar und werden so auch nicht mit unseren Stimmen in ei-nem zukünftigen Haushalt verankert werden.
Wir können jetzt natürlich jammern und die Schuld für die Misere bei anderen suchen, die den Kommunen bei weniger Geld mehr Aufgaben zumuten und dafür auch noch die Standards vorschreiben. Damit haben wir zwar recht, wie man an unserer Bauschuttdeponie sieht, wo ein erheblicher Anteil der jetzt notwendigen Mittel in Planungskosten geht. Nützen tut das Jammern aber nicht und deshalb müssen wir erst einmal unsere hausgemachten Probleme lösen. Es kann nicht angehen, dass z.B. unser inzwischen gut besetztes Bauamt einen Ingenieur für die Planung einer Heizung in einem Zweifamilienhaus braucht.
Die Freien Wähler haben sich bisher immer sehr kooperativ verhalten, wenn es um die Ausgestaltung und die Prioritäten bei der Umsetzung von Investitions- und Unterhaltungsmaßnahmen ging. Anhand des jetzigen Zahlenwerks beurteilt, war das wenig vorausschauend. Als Sünden der Vergangenheit möchte ich hier noch einmal an die ziemlich nutzlosen Sonnenkollektoren auf dem Schwimmbad erinnern. Weiter geht es mit dem Bürgerbüro, das wir zwar wollten, aber bei dem trotz Bremse durch den Gemeinderat inzwischen schon die Büromöbel so viel kosten, wie wir uns das einmal für die gesamte Maßnahme vorgestellt haben. Auch unser LIFE- Antrag bei der EU wird uns im Erfolgsfall noch einiges an finanziellen Problemen bereiten, ebenso wie der hohe Anteil an öffentlichen Flächen im neuen Baugebiet am Erikaweg. Ich kann es mir auch nicht verkneifen, hier einige völlig unnötige Straßenlampen anzusprechen, zu deren Gunsten wir heute über längere Nachtabschaltungen in den Ortskernen diskutieren. Wir haben uns fälschlicherweise zu oft am Wünschenswerten orientiert und die tatsächlichen Möglichkeiten unserer Gemeinde überschätzt.
Ich möchte angesichts der Gesamtproblematik gar nicht weiter auf einzelne Zahlen eingehen. Es sollte uns aber allen klar sein, dass wir ein Problem haben, an dem wir arbeiten müssen. Das betrifft bereits die Umsetzung des vorliegenden Zahlenwerks, wo jeder einzelne Euro nochmals auf den Prüfstand kommen muss, und wo wir insbesondere die langfristige Wirkung von Einzelmaßnahmen für den Verwaltungs-haushalt stärker beachten müssen.
Wie immer möchte ich am Schluss meiner Rede der Verwaltung, insbesondere dem Rechnungsamt, für die gute Vorbereitung der Haushaltsberatungen und der Sitzungsunterlagen danken. Ich wünsche uns allen den Mut und die Kraft, die wir für die Bewältigung der im wesentlichen noch vor uns liegenden Finanzprobleme benötigen werden.

Dr. Rainer Oberacker