Freie Wähler besichtigen Thermoselect-Anlage
Auf großes Interesse stieß das Angebot des Kreisverbandes der Freien Wähler zu einer Besichtigung der Thermoselctanlage der EnBW im Reinhafen Karlsruhe. Das Angebot richtete sich an die örtlichen Mandatsträger, die hier direkt vor Ort ihr Wissen über den aktuellen Stand bei der thermischen Behandlung unseres Restmülls erweitern konnten. Mit vier Gemeinderäten war die Fraktion der Freien Wähler aus Dettenheim unter den insgesamt etwa 50 Teilnehmern gut vertreten.
Die Müllbehandlungsanlage hatte in den vergangenen Jahren vor allem durch Pannenserien für Schlagzeilen gesorgt, was auch die Kommunalpolitiker beunruhigte. Zwar ist der Landkreis und damit auch unsere Gemeinde gegenüber dem Betreiber EnBW vertraglich gut abgesichert, so dass letzterer die wesentlichen Risiken trägt und wir als Müllproduzenten durch die technischen Probleme zunächst nicht belastet wurden. Im Gegenteil: Die schon in die Müllgebühren einkalkulierten Behandlungskosten fielen eine geraume Zeit nicht an und konnten durch den Landkreis zurückgegeben werden. Dies war die wesentliche Ursache für die Senkung der Müllgebühren vor einiger Zeit.
Da aber spätestens ab 2005 eine Deponierung des unbehandelten Restmülls nicht mehr zulässig ist, ist der Landkreis auf ein zuverlässiges Funktionieren der Anlage angewiesen oder er müsste sich nach anderen Behandlungsmöglichkeiten umsehen. So war es denn erfreulich, dass die Besichtigung in einer Phase des Vollbetriebs stattfand, bei dem alle drei parallel laufenden Linien der Anlage in Betrieb waren. Detaillierte und kritische Fragen begleiteten den Einführungsvortrag von Herrn Robert Luft von der Öffentlichkeitsarbeit der EnBW und wurden von ihm mit kompetenten Auskünften beantwortet. Der sich anschließende Rundgang vermittelte den Teilnehmern die Realität der Anlagentechnik, welche die meisten vorher nur aus Schemazeichnungen kannten. Vom Müll selbst ist dabei wenig zu sehen, immerhin vermittelte aber der gerade ankommende Containerzug mit dem Rest-müll aus dem nördlichen Landkreis ein Gefühl für die Mengen, welche täglich in die Anlage eingeschleust werden. Aus den Reaktoren fallen pro Tonne Restmüll knapp 300 kg mineralische und metallische Feststoffe an, die nach Angabe des Betreibers als Rohstoffe verwendet werden können. Daneben wird eine kleine Menge an Strom, in erheblichem Umfang aber auch Fernwärme erzeugt. Beein-druckend sind die niedrigen Emissionswerte beim Abgas, die ohne Erzeugung dioxinhaltiger Filterstäube erreicht werden.
Um dies nicht nur im Normalbetrieb, sondern auch bei Störungen der Anlage zu gewährleisten, war der Einbau eines im ursprünglichen Konzept nicht vorgesehenen Anlagenteils erforderlich. Nach einiger Zeit weiteren Probebetriebs hat die Anlage inzwischen die Dauerbetriebsgenehmigung erhalten. Eine Langzeiterfah-rung steht noch aus. Insbesondere die tatsächlich anfallenden Betriebskosten hängen aber z. B. von der Lebensdauer der Anlagenteile ab. Hier werden uns sicher die nächsten 1-2 Jahre "schlauer" machen, hoffentlich eher mit positiven als mit negativen Überraschungen.
Fazit zum jetzigen Zeitpunkt: Stadt und Landkreis Karlsruhe haben mit dem Be-schluss zu Thermoselect eine aus Sicht der Emissionswerten zukunftsweisende Entscheidung getroffen. Mit der EnBW haben sie einen Partner gefunden, der die technischen und hohe wirtschaftliche Risiken übernommen hat. Die Skepsis von Fachleuten hinsichtlich der großtechnischen Umsetzung des Konzepts hat sich in einigen Punkten bestätigt, was zu einer langen und sicher kostenintensiven Inbe-triebnahmephase geführt hat. Der bisherige Dauerbetrieb lässt hoffen, dass diese Phase zu Ende ist, wobei für endgültige Aussagen die Betriebszeit sicher noch nicht ausreicht. Auf Kreis- und Gemeindeebene werden die Freien Wähler hier weiter am Ball bleiben.