Haushaltsrede 2009 - Freie Wähler

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Hillenbrand, geschätzte Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats, meine sehr geehrten Damen und Herren,

Haushaltsberatungen werden auf der Grundlage aktueller Informationen hinsichtlich zu erwartender Steuereinnahmen und Konjunkturaussichten durchgeführt. Aber was tun, wenn sich die Nachrichtenlage ständig ändert und Zukunftsprognosen so schwer fallen wie in diesen Tagen. Gerade in schwierigen Zeiten hilft es, sich auf die ursprünglichen Aufgaben zu konzentrieren. Für eine Gemeinde bedeutet dies, die Haushaltswirtschaft so zu planen und zu führen, dass die stetige Erfüllung ihrer Aufgaben gesichert ist. Deshalb sind wir auch in diesem Jahr wieder unter dem Leitmotiv einer sparsamen und wirtschaftlichen Haushaltsführung ans Werk gegangen.
Gut, dass wir auch in den vergangenen Jahren trotz damals noch jeweils besserer Zukunftsprognosen verantwortungsvoll mit den beschränkten finanziellen Ressourcen unserer Gemeinde umgegangen sind. So begeben
wir uns auf den Weg der unsicheren künftigen Einnahmen erfreulicherweise
mit gestärkten Rücklagen. Mit einer abermals die positiven Erwartungen übertreffenden Zuführungsrate von rund 1,8 Mio. Euro konnte im Haushaltsjahr 2007 ein beträchtlicher Teil der Ausgaben des Vermögenshaushalts aus den laufenden Überschüssen eigen finanziert werden. Darlehen wurden planmäßig getilgt, die Rücklagen konnten mit nahezu 1 Mio. Euro gestärkt werden. Mit einem Polster von knapp 2 Mio. Euro per 31.12.2007 können wir die dringend anstehenden Maßnahmen im kommenden Jahr auch dann ohne Kreditaufnahme durchführen, wenn auf der Einnahmenseite Rückschläge oder Verzögerungen zu verkraften sein sollten.
Die üblicherweise bei den Haushaltsberatungen heranzuziehenden Daten des Haushaltserlasses vom 18.07.2008 waren aufgrund der jüngsten Ereignisse bis zum November bereits wieder überholt. In der aktuellen Mitteilung des Städte- und Gemeindetages Baden-Württemberg wurden aufgrund der November-Steuerschätzung jedenfalls Mindereinnahmen bei den Steuern und Zuweisungen für das kommende Jahr vorhergesagt.
Auf dieser Basis wurden die wesentlichen Einnahmequellen im Verwaltungshaushalt vorsichtig kalkuliert. Dennoch kann im kommenden Jahr bei immer noch relativ hohen Steuereinnahmen und Zuweisungen und einer moderaten Kreisumlage von 26 % wieder mit einer Zuführungsrate von fast
1,1 Mio. Euro gerechnet werden, weil sich konjunkturelle Veränderungen im positiven wie im negativen Sinne immer erst mit einer zeitlichen Verzögerung
auf die Haushaltslage der Kommunen auswirken. Das Gesamtvolumen des Verwaltungshaushalts bleibt nahezu unverändert bei ca. 11,5 Mio. Euro.

Bei den Ausgaben im Bereich des Verwaltungshaushalts für die allgemeine Gebäudeunterhaltung handelt es sich ausnahmslos um dringend erforderliche Erhaltungsmaßnahmen sowie um Ersatzbeschaffungen. Verbessert werden insbesondere unsere Schulen, die Feuerwehrhäuser, die Bücherei, Sport- und Kulturhallen und die Kindergärten beider Ortsteile.
Die auf Initiative der evangelischen Kirchengemeinde Russheim eingerichtete Jugendbetreuungsstelle hatte in diesem Herbst einen guten Start. Wir wünschen dem Jugendbetreuer Manuel Ranzinger weiterhin eine glückliche Hand. Möge mit Unterstützung der Gemeinde zunächst einmal der Ausbau des dafür vorgesehenen Anwesens schnell vorankommen, so dass dort baldmöglichst mit den Jugendlichen für die Jugendlichen ein Ort der Begegnung geschaffen werden kann. Der Kostenanteil unserer Gemeinde an dem Projekt beträgt im nächsten Jahr 20.000,-- Euro.
Der Fahrplan der neuen Busverbindung nach Graben wurde bereits im Dettenheimer Anzeiger bekannt gemacht, zahlreiche Fahrgäste konnten in den ersten Tagen schon befördert werden. Unsere Kostenbeteiligung für den Öffentlichen Personennahverkehr an das Landratsamt hat sich auf 60.000,-- Euro erhöht. Wir sind nun alle froh, dass es mit der Anbindung nach Graben-Neudorf endlich geklappt hat und hoffen sehr, dass die neue Busverbindung gut angenommen wird.
Auch bei den diesjährigen Haushaltsberatungen wurden wieder die Gebühren im Bereich der Wasserversorgung neu kalkuliert. Über- oder Unterdeckungen sind innerhalb vorgegebener Zeiträume auszugleichen. Ebenfalls auf dem Prüfstand waren wieder die Bestattungsgebühren, weil wir hier die entstehenden Defizite auf einem gewissen Niveau halten wollen. In beiden Bereichen sind wir zum Ergebnis gekommen, keine Veränderungen vornehmen zu müssen.
Ab dem nächsten Jahr wird für die Abfallbeseitigung wieder der Landkreis zuständig sein. Beratungsleistungen und die Wertstoffhöfe sowie Grünabfallsammelplätze verbleiben in der Verantwortung der Gemeinde. Entsprechende Informationen sind den Bürgern in Form einer Broschüre des Landratsamts bereits zugegangen.
Einige größere Projekte führen im Vermögenshaushalt des Jahres 2009 zu einem deutlich gestiegenen Volumen von rund 3,6 Mio. Euro.
Das zieht natürlich einiges an Arbeit für die Verwaltung und auch den Gemeinderat bei der engen Begleitung und Umsetzung dieser Vorhaben nach sich.
Der Bau eines Verkehrskreisels am nördlichen Ortseingang von Liedolsheim sowie die Umfahrung des Erikawegs sollen für eine Verbesserung der Verkehrssituation und eine Entlastung der dortigen Anwohner sorgen. Mit dem gleichzeitigen Erwerb des Grundstücks am nordöstlichen Ausgang von Liedolsheim wird die Voraussetzung zur Ansiedlung eines Einkaufsmarkts geschaffen. Aufgrund der städtebaulichen Chancen, die das Gesamtvorhaben mit sich bringt, hat der Gemeinderat auch mit großer Mehrheit die erforderlichen Beschlüsse gefasst. Die Auswirkungen der Ansiedlung eines weiteren Einkaufsmarkts auf die Nahversorgung und auf die beiden bestehenden Einkaufsmärkte kann heute noch niemand genau vorhersagen. Wir können nur hoffen, dass sich damit die Versorgungssituation für alle Bürger in Dettenheim verbessert. Wie sich nun gezeigt hat, muss bei weitreichenden Vorhaben von öffentlichem Interesse die erste sich bietende Gelegenheit nicht unbedingt die beste sein. Es hat sich daher gelohnt, dass der Gemeinderat in einem demokratischen Abwägungsprozess gemeinsam um eine gute Lösung gerungen hat. Nach unserer Auffassung macht die jetzt auf den Weg gebrachte Maßnahme Dettenheim in jedem Fall attraktiver. Bei planmäßigem Verlauf und entsprechendem Verkauf der entstehenden Wohnbaugrundstücke fallen saldierte Gesamtkosten von ungefähr 1,1 Mio. Euro an.
Die Planungen zum Umbau und Verbesserungen an der Festhalle sind weiter vorangeschritten. Zusätzlich zu bestehenden Haushaltsresten von 380.000,-- Euro sollen im kommenden Jahr 634.000,-- Euro investiert werden. Mit einem Betrag von 180.000,-- Euro möchten wir das Vorhaben in 2010 zu einem guten Abschluss bringen. Die veranschlagten Gesamtkosten betragen rund 1,2 Mio. Euro.
Mit der bereits erwähnten Zuführung aus dem Verwaltungshaushalt von rund
1,1 Mio. Euro wollen wir einen beträchtlichen Teil der vorgesehenen Maßnahmen aus den laufenden Einnahmen decken. Bei geplanten Erlösen aus Grundstücksverkäufen von rund 1,4 Mio. Euro und Zuweisungen vom Land von rund 500.000,-- Euro werden wir rund 600.000,-- Euro aus den Rücklagen entnehmen müssen. Erfreulich ist dabei aber, dass wir auch im kommenden Jahr wieder ohne Kreditaufnahme auskommen werden.
Die langfristigen Verbindlichkeiten der Gemeinde einschließlich des Wasserwerks werden wir durch planmäßige Tilgungen auf insgesamt rund 1 Mio. Euro reduzieren, dies entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von 158,-- Euro.
Noch selten war die Unsicherheit der Steuerprognosen so offensichtlich wie heute. Entsprechend wenig aussagekräftig ist deshalb die Finanzplanung für die Jahre 2008 bis 2012. Natürlich müssen wir trotzdem langfristig planen und dann eben die Abweichungen gleich ob positiver oder negativer Art in die weiteren Überlegungen einfließen lassen. Wir hoffen auch in den kommenden Jahren, aus dem laufenden Einnahmenüberschuss einen Betrag in der Größenordnung von ca. 1 Mio. Euro in den Vermögenshaushalt überstellen zu können.
Im Investitionsprogramm für die Jahre 2008-2012 steht unter anderem mit fast
1 Mio. Euro die Änderung der Dachform an der Sporthalle in Liedolsheim an.
Insbesondere zu Fragen der Verkehrspolitik besteht seitens vieler interessierter Dettenheimer Bürger ein großes Informationsbedürfnis. Wir begrüßen daher sehr, dass im kommenden Frühjahr eine Bürgerversammlung durchgeführt werden soll. Wir versprechen uns davon, dass das allgemeine Interesse an der Verwaltung der Gemeinde gestärkt wird und glauben auch, dass von den Bürgern wichtige Impulse und Anregungen für die richtigen Entscheidungen kommen können. Das Recht zur Meinungsäußerung besteht zwar regelmäßig auch zu Beginn oder am Schluss von allen öffentlichen Gemeinderatssitzungen im Rahmen der Bürgerfragestunde, eine Erörterung von wichtigen Angelegenheiten der Gemeinde mit den Bürgern ist dort jedoch nur eingeschränkt möglich, weil in der Regel nicht direkt bei Beratung der einzelnen Tagesordnungspunkte von Bürgern Stellung genommen werden kann.
Von großem öffentlichem Interesse wäre sicherlich auch, wie das Projekt Betreutes Wohnen in Dettenheim vorangebracht werden kann. Bereits vor 4 Jahren hat sich der Gemeinderat mit diesem Thema beschäftigt und vor 3 Jahren wurde eine Fragebogenaktion durchgeführt. Manche potenzielle Interessenten haben inzwischen vielleicht schon an einem anderen Standort investiert.
Im Bereich der Dettenheimer Str. und der Hauptstr. zwischen der Dettenheimer Str. und der Wilhelmstr. wurden gerade Gehweg- und Straßenbauarbeiten durchgeführt. Im Ansatz ist zu erkennen, dass auch in Dettenheim wie in den umliegenden Gemeinden eine Verschönerung des Ortskerns mit geeigneten Maßnahmen möglich ist.
Ein aus Sicht der Freien Wähler beherzteres und weitsichtigeres Handeln hätte weitergehende Verbesserungen in diesem Bereich möglich gemacht. Es sei erlaubt, dass wir auch in Zukunft die Ziele verfolgen, eine Minderung des Durchgangsverkehrs auf der L 602, Behinderten gerechtere Einstiegsmöglichkeiten in die Busse und Schaffung weiterer Parkplätze zu erreichen. Wir wollen den Ortskern von Liedolsheim weiter aufwerten.

Mir bleibt zum Schluss noch allen Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung, vor allem auch den Amtsleitern Eva Steinhoff, Günter Zwecker und Viktor Schmidt für die geleistete Arbeit im zu Ende gehenden Jahr Dank zu sagen.
Sehr herzlich danken wir auch unserem Bürgermeister, Herrn Lothar Hillenbrand, unserem Ortsvorsteher, Herrn Manfred Werner, und allen Mitgliedern des Gemeinderats und des Ortschaftsrats für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ein besonderes Dankeschön möchte ich an unsere interessierten Besucher bei den Gemeinderatsitzungen richten, es ist schön, dass einige Stammgäste regelmäßig dabei sind.

Dem Haushaltsplan 2009 sowie dem Wirtschaftsplan 2009 für den Eigenbetrieb Wasserversorgung stimmt die Fraktion der Freien Wähler zu.
Alan Greenspan hat am Schluss einer Rede einmal gesagt: ’’Sollten Ihnen meine Aussagen zu klar gewesen sein, dann müssen Sie mich missverstanden haben.’’
Ich hoffe dagegen sehr, dass meine Ausführungen klar und gleichzeitig verständlich gewesen sind und danke Ihnen allen, meine sehr geehrten Damen und Herren, für Ihre Aufmerksamkeit.

Jürgen Ratzel