Stand und Perspektiven L602
Rußheim - Huttenheim
Aufschlussreich verlief die Vorab- Information des Regierungspräsidiums Karlsruhe zum bevorstehenden Planfeststellungsverfahren für die L 602 Straßenverbindung zwischen Rußheim und Huttenheim in der letzten Gemeinderatssitzung. Baudirektor H. Protz legte die Eckpunkte der Planung vor, die in das bevorstehende Verfahren eingebracht werden soll. Auch zu den Fragen aus dem Gremium und der anschließenden Bürgerfragestunde bezog er klar und ohne Umschweife Position.
Nachdem der Gemeinderat Dettenheim im Jahr 2000 mehrheitlich für Neubauvariante (direkte Anbindung and die bestehende Abfahrt B 35) votierte und der Stadtrat Philippsburg ebenfalls auf diese Linie einschwenkte, folgte das Regierungspräsidium diesem Wunsch und suchte nach Lösungsmög-lichkeiten, um diese Trassenführung zu realisieren. Sie war in früheren Untersuchungen als stärkerer Eingriff in die Umwelt gewertet worden, als die damals favorisierte Ausbauvariante. Nun liegt eine Neubauplanung vor, die mit umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen vermutlich realisiert werden kann. Auf die Bedenken unserer Fraktion, nämlich eine deutliche Verkehrs-zunahme bei einer direkten Anbindung an die B 35 gab es eine überra-schende Antwort: Im Vergleich zum Ende der 1990er Jahre hatte der über-örtliche Verkehr, der von Norden nach Rußheim einfährt, im Jahr 2006 um ca. 5% abgenommen! Nach dem Neubau erwartet man eine Zunahme dieses überörtlichen Verkehrs von 100 bis 200 Fahrzeugen, die angesichts der jetzt 2.900 Fahrzeuge/Tag kaum ins Gewicht fallen würde.
Wir können diese Prognose nicht nachvollziehen und haben deshalb im Technischen Ausschuss einer eigenen Verkehrserhebung unserer Gemeinde zugestimmt. Einen offensichtlichen Grund, an den Zählungen von 2006 zu zweifeln, gibt es allerdings nicht. Sie stehen aber schon etwas im Wider-spruch zu früheren Prognosen, die eine Zunahme des überörtlichen Ver-kehrs in Dettenheim nach Fertigstellung der B 36 Ostumfahrung von Graben voraussagten.
Auch wenn die nun zur Abminderung des Durchgangsverkehrs zusätzlich diskutierte „Umfahrung Rußheim“ nicht Gegenstand der Information war, wurde auf Nachfrage von Manfred Werner klar, dass es für den Bau einer solchen Umgehung Kriterien gibt, die bei uns in absehbarer Zeit nicht erfüllt sein werden. Neben einem deutlich höheren Verkehrsaufkommen gehört dazu auch die Reduzierung des Verkehrs durch die Maßnahme um minde-stens 50%, was bei dem vorliegenden hohen Anteil an „hausgemachtem“ Ziel- und Quellverkehr schwierig wird. Der Problembereich, und das werden die neuen Untersuchungen sicher belegen, liegt im Ortsteil Liedolsheim, wo neben dem überörtlichen Verkehr sich nahezu der gesamte Ziel- und Quellverkehr aufsummiert. Eine isolierte Umfahrung Rußheim voranzutreiben, ohne die Weiterführungsmöglichkeiten um Graben ausgelotet zu haben ist ein unverantwortbares Vabanquespiel für den südlichen Teilort. Wenn schon Umfahrung, dann müsste die Südumgehung von Graben zuerst reali-siert werden.
Eine Abwendung der Neubautrasse erscheint uns aus beim heutigen Stand kaum mehr möglich. Die Realitätsferne der neu ins Spiel gebrachten Umfah-rungsideen wird immer offensichtlicher. Was nach unserer Meinung jetzt notwendig wäre sind Maßnahmen, um unsere Ortsdurchfahrten für den überörtlichen Verkehr weniger attraktiv zu machen. Die treffen natürlich auch den Ziel- und Quellverkehr, aber damit sollte man in seiner eigenen „Wohngemeinde“ leben können.